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Sog. „Ehrenmord“ in Salzgitter: Landgericht Braunschweig verhängt lebenslange Freiheitsstrafe und stellt die besondere Schwere der Schuld fest



Die 9. Große Strafkammer des Landgerichts Braunschweig als Schwurgericht hat am heutigen Tage das Urteil gegen einen 34-jährigen Syrer wegen Mordes und Verstoßes gegen das Waffengesetz gesprochen. Die Kammer hat es als erwiesen angesehen, dass der Angeklagte den Lebensgefährten seiner Schwester am 26.01.2019 auf einem Parkplatz in Salzgitter-Lebenstedt heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen mit einer Schusswaffe getötet hat. Damit folgt die Kammer den Anträgen der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage. Die Verteidigung hatte beantragt, den Angeklagten freizusprechen.


Der Angeklagte, der einer muslimischen Familie angehört, hat zur Überzeugung der Kammer ebenso wie die übrigen engeren Familienangehörigen die Beziehung seiner Schwester zu einem Mann mit christlicher Religionszugehörigkeit und irakischer Staatsangehörigkeit nicht toleriert. Deshalb sei die Schwester des Angeklagten an einen unbekannten Ort geflohen.
Am 26.01.2019 habe der Angeklagte seine Wohnung verlassen und auf einem Parkplatz in der Nähe der Wohnung des Lebensgefährten seiner Schwester auf diesen gewartet. Als der Lebensgefährte aus dem Pkw ausgestiegen sei, habe der Angeklagte überraschend und unvermittelt auf den Freund 5 Schüsse abgegeben und das Opfer dadurch verletzt. Infolge der schwerwiegenden Verletzungen und des Blutverlustes sei das Opfer gegen 21:30 Uhr im Krankenhaus in Salzgitter verstorben.


Die Kammer hat in der umfangreichen mehrmonatigen Beweisaufnahme unter anderem zahlreiche Zeugen und mehrere Sachverständige vernommen und ist nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme aufgrund einer Vielzahl von Indizien zu dem Ergebnis gelangt, dass der Angeklagte das Tötungsdelikt begangen hat. Aufgrund der Vorgehensweise des Angeklagten, der das Überraschungsmoment ausgenutzt habe, um das wehrlose Opfer zu töten und wegen der Tatmotivation liege ein heimtückischer Mord aus niedrigen Beweggründen vor.
Daneben hat die Kammer die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Dies bewirkt, dass auch bei einer günstigen Sozialprognose des Angeklagten eine Aussetzung des Strafrests und damit eine Entlassung aus der Haft nach 15 Jahren Haftverbüßung regelmäßig nur unter erhöhten Voraussetzungen in Betracht kommt.

Der Angeklagte befindet sich seit dem 28.01.2019 in Untersuchungshaft. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, es ist die Revision zum Bundesgerichtshof möglich.


Aktenzeichen: 9 Ks 7/19








Artikel-Informationen

13.02.2020

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